Warum schneidet man Brot ein? Was hat es mit „bread scoring“ auf sich?

 
 

Brot einschneiden

 
 

Noch bevor das Brot in den Ofen kommt, zieht der Bäcker ein scharfes Messer oder eine Rasierklinge mit gezielten Handgriffen über den Teigling. Dort, wo sich später die Kruste ausbildet, entstehen Einschnitte und je nach Fertigkeit Muster. Diese Praktik hat Tradition und wird „bread scoring“ (zu deutsch: „Einritzen von Brot“) genannt.


Was passiert, wenn man Brot nicht einschneidet?

Während des Backprozesses im Ofen kannst du beobachten, wie in den ersten Minuten das Brot regelrecht aufgeht, das Volumen zunimmt. In der Fachsprache bezeichnet man diesen Vorgang als Ofentrieb. Das geschieht durch die entstehenden Gasbläschen (Kohlendioxid). Ist die Haut des Teiglings anfangs noch dehnbar, wird die Deckfläche durch die hohe Hitze im Ofen hart. Die Ausdehnung aber geht weiter, der Platz wird geringer… der Laib reißt auf, der sogenannte Ausbund hat sich gebildet.

Wenn man Brot oder Brötchen nicht einschneidet, tritt der Ausbund an einer beliebigen Stelle am Brot auf. Darunter leidet im Zweifel die Form, das Brot bleibt klein oder flach, wird trocken oder gar hart. Auch für den Geschmack macht es Sinn, das Brot einzuschneiden.


Brot einschneiden bringt viele Vorteile

Schneidest du das Brot oben ein, schaffst du eine Sollbruchstelle und gibst so vor, wo dieses kontrolliert aufreißt. Das „bread scoring“ bringt nicht nur sehenswerte Muster mit sich –längs, quer, über Kreuz, herzförmig, und vieles mehr –, durch den kontrollierten Ausbund vergrößert sich die Oberfläche der Kruste. Das wiederum bedeutet mehr Geschmack. Doch nicht nur das: Selbst die Krume wird so noch lockerer.


Wie am besten Brot einschneiden?

Die Vielfalt der Einschnitte ist recht groß. Das Ergebnis hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Technik: Hältst du die Klinge senkrecht zum Brot (90 Grad-Winkel) und machst einen geraden Einschnitt, wird der Ausbund eher symmetrisch ausfallen. Schneidest du flacher ein (45 Grad Winkel), bildet sich ein sogenanntes Ohr.

  • Form/Muster: Weit über die traditionellen Einschnitte wie etwa ein Kreuz hinaus, gibt es mittlerweile eine unüberschaubare Auswahl von Blumenmustern über Herzen, Blumen, Blätter bis hin zu mandala-artiger Kunst. Achte darauf, gezielte Einschnitte zu machen und eher zu wenige als zu viele.

  • Werkzeug: Gebäck schneidest du am besten mit einem sehr scharfen Messer (mit Wellenschliff) oder einer Rasierklinge (Bäckermesser) ein. Führe den Schnitt/die Schnitte mit schnellen, selbstbewussten Bewegungen aus, sodass saubere Schnitte entstehen.


Brot einschneiden: Wann und wie tief?

Auf die Frage nach der richtigen Tiefe und dem richtigen Zeitpunkt musst du auch hier mehrere Faktoren in Betracht ziehen. Zwei sind besonders ausschlaggebend: der Garzustand sowie die Art beziehungsweise Beschaffenheit des Teigs. In allen Fällen ist es ratsam, den Teigling vor dem Einschneiden gut zu bemehlen. Die Einschnitte sollten im Bereich von 0,5 bis 1 cm liegen.

  • Ist viel Weizen im Brotteig, wird kurz vor dem Einschießen des Teigs in den Ofen eingeschnitten - meist bei Dreiviertelgare (knapper Gare).

  • Bei Untergare ist der Ofentrieb stark, die Schnitte können tiefer gehen.

  • Bei Übergare solltest du auf einen Einschnitt verzichten, andernfalls riskierst du, dass der Teigling durch diesen zusammenfällt.

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Verwendete Quellen: Teubner: TEUBNER BROT (Teubner Solitäre)



 
 
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